Wenn man stumm ist, schreibt man seine Seele auf Papier.
Und manchmal schreibt man Geschichte.

17. August 2015

Timingiseverything #1

Die Stunden vergingen und mir kam es nicht genug vor. Selbst die Unendlichkeit wäre wohl nie genug gewesen. "Also, wohin fahren wir?" - "In die Unendlichkeit", antwortete er. Und es hätte nichts gegeben, was perfekter als Antwort gewesen wäre. 
Wir sitzen uns gegenüber, in meiner Lieblingsbar, trinken Cocktails und reden. Er möchte alles von mir wissen und am liebsten möchte ich ihm alles von mir erzählen. Meine Gefühle schreien geradezu danach, all das, was je mit mir geschehen ist, dem Jungen vor mir zu erzählen, aber ich weiß, dass das eine schlechte Entscheidung wäre und dass er es vielleicht nicht aushalten würde. Aushalten würde mit mir. Also erzähle ich ihm alles, was mir je passiert ist, aber ich behalte für mich, was all das aus mir gemacht hat. Vielleicht an einem anderen Tag. Seine braunen Augen blicken ernst und prüfend in die meine und mir war, als gäbe es auf dieser Welt nur noch uns beide.
Irgendwann spricht er kleine Wort aus, die für mich eine Bedeutung haben, die es mir unmöglich macht, sie genügend zu beschreiben. Er sagt mir, er findet mich verdammt interessant und dass ich anders bin, als er dachte.
Er erzählt mir genauso, dass er viel Negatives über mich gehört hat. Ein Teil davon beträfe ihn. Man sagte ihm, ich würde ihn nicht schön finden. Als er diese Worte in mein Gesicht schlägt, weiß ich nicht zu reagieren und fange an zu lachen. "Das kann gar nicht sein! Ehrlich! Das kann auf g a r  k e i n e n  F a l l  sein!" Natürlich möchte er wissen, weshalb es so abwegig ist, dass ich das je gesagt haben könnte. Ich versuche es ihm zu erklären, in einem einfachen Satz, doch ich kann es nicht aussprechen. Stattdessen reiße ich eine Seite aus meinem kleinen Kalender heraus und schreibe den Satz da drauf, schweren Herzens, denn er verrät so viel. "Es ist unmöglich, dass ich das gesagt haben soll, weil ich so sehr verknallt in dich war, dass du allein deswegen der Schönste für mich gewesen bist." Einige Tage später sagt er mir, dass für ihn dieses lächerliche Stück Papier wichtiger, auf seiner Reise sein wird, als sein Reisepass.
Im Laufe der Nacht wechseln wir noch viele Worte miteinander und ich weiß nicht, wie ich all das zusammenfassen könnte.
Mit jedem Blick auf ihn verliebe ich mich mehr. Und mit jedem Blick auf ihn wird mir schmerzlich bewusst, dass auch, wenn es mir in wenigen Tagen, in zwei Wochen, das Herz zerschmettern wird, weil er an das andere Ende der Welt flieht, das alles es wert gewesen sein wird. Und dass ich nichts anders gemacht hätte.
Unsere Zeit hatte ein Ablaufdatum. Und ich schwor mir, keine Sekunde davon zu verschwenden.

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