Wenn man stumm ist, schreibt man seine Seele auf Papier.
Und manchmal schreibt man Geschichte.

8. Mai 2015

Lovestories #6

"Manchmal liest man ein Buch und es erfüllt einen mit diesem seltsamen Missionstrieb, und du bist überzeugt, dass die kaputte Welt nur geheilt werden kann, wenn alle Menschen dieser Erde dieses Buch gelesen haben. Und dann gibt es Bücher, über die du mit niemandem reden willst, weil das Buch so besonders und kostbar und so persönlich für dich ist, dass darüber zu reden sich wie Verrat anfühlt." (Das Schicksal ist ein mieser Verräter, John Green. S.41)
Ich stecke das Blatt, nachdem ich alles geschrieben habe, was ich zu sagen habe, in den Umschlag. Das Buch, mit den markierten Zitaten und den Post-Its hinterher. - Ich muss verrückt sein, denke ich. Das bin ich dann wohl tatsächlich.
Mit meinem blauen Pritt-Stift gehe ich über die Klebestelle und drücke dann den Umschlag zu. So, denke ich mir, jetzt gibt es kein Zurück mehr. Aber natürlich gibt es das. Dieses 'Zurück' gibt es immer.
Irgendwann sitze ich im Auto auf dem Weg zu meiner Freundin. Als links die Straße auf meiner Höhe erscheint, in die ich fahren muss, um zu ihr zu gelangen, fahre ich daran vorbei. Stattdessen biege ich in die nächste Straße rechts ein. In meinem Kopf läuft eine Dauerschleife von "Oh Mein Gott, Oh Mein Gott, Oh Mein Gott." - Oh mein Gott. Ich muss verrückt sein, denke ich. Dann fange ich an zu lachen, weil das alles so abwegig ist, so seltsam und so verdammt gut.
Schlechte Entscheidungen machen Gute Geschichten. Und wer hat dafür keine Schwäche. Das Schicksal ist eben etwas für Loser. Das ist bloß eine jämmerliche Ausrede dafür, die Dinge einfach laufen zu lassen, anstatt sie zu steuern.
Ich biege in die verdammte Straße ein in der sein verdammtes Haus steht und die Dauerschleife endet nicht. Ich fahre daran vorbei, sehe sein Auto - Fuck.
Als ich halte, denke ich mir nur: Egal was passiert. Cool sein. Einfach komplett cool sein. Und rein vom Gefühl her klappt das auch.
Ich laufe zu seinem Haus, der Briefkasten ist nicht mehr weit entfernt. Ich sehe zu jedem einzelnen Fenster, denke, scheiße, was ist, wenn er mich genau jetzt sieht. Cool sein, Cool sein, Cool sein! Mein Kopf schreit mich quasi schon an. Ich öffne den Briefkasten und versuche das Päckchen, das vielleicht alles bedeutet, langsam hineingleiten zu lassen, als es ein dumpfes Geräusch macht, weil das blöde Buch auf den Boden den Briefkasten geknallt ist - Fuck! Egal. Ich schließe den Briefkasten, drehe mich um, sehe zu seinem Auto.
Ich erinnere mich daran, dass ich seine Augen wie Paragraphen lesen konnte und seine Gesichtsausdrücke wie Kapitel. Wir hatten am Ende nicht viel mit Worten zu sagen gehabt, viel mehr mit Stille. Und lass dir niemals erzählen, dass Stille nicht wundervoll ist. Stille ist etwas, das geschieht, wenn Worte schlafen gingen und man muss immer den Glauben in sich haben, dass eines Tages diese in einem wieder erwachen würden.
Als ich endlich wieder im Auto saß, musste ich lächeln.
Es war okay. Es war wirklich okay.

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