Wenn man stumm ist, schreibt man seine Seele auf Papier.
Und manchmal schreibt man Geschichte.

5. Juni 2014

sadness #8

Ich blicke von meinem Handy auf und sehe geradewegs wie der Lehrer diese zwei Mitschülerinnen, die einfach von Grund auf schon unsympathisch aussehen, hereinbittet. Schnell drehe ich mich zu den zwei Mädchen neben mir, mit denen ich sonst Kontakt durch anlächeln und weitergehen, halte: - Kommt, wir müssen dorthin.- Ich warte nicht darauf, dass sie aufstehen, sie würden es auch nicht tun, wäre es andersherum, also gehe ich einfach los, den Gang entlang. Zu fünft stehen wir in dem Klassenraum und tragen unsere Namen in die Besucherliste ein. Ich bin die Letzte.
Endlich sitzen wir, meine ehemalige Freundin kommt herein - ich merke, dass sie nervös ist. Nachdem sie sich ein Glas Wasser eingeschenkt hat und mit ihrer Prüfung angefangen hat, bin ich bereits begeistert und entdecke jedes Mal aufs neue voller Verwunderung, was für ein Genie sie ist.
Während ihren Millionen Worten, die sie in einer Geschwindigkeit herunterrattert, die der Lichtgeschwindigkeit nahe kommt, schweifen meine Gedanken ab. Sie landen ein Jahr davor bei den mündlichen Prüfungen, als ich noch mit ihr befreundet war und diesem anderen wundervollen, aber launischen Mädchen. Wie wir dort saßen und uns über diese Jungs an unserer Schule unterhalten haben, die nun die Prüfungen hatten. Wie lieb ich diese Zwei hatte.
Ich höre nur irgendwelche murmelnden Geräusche und kurz finde ich wieder zurück, doch sogleich kommen mir Tränen in die Augen, denn mit jedem Wort, mit jeder Gestik und jedem Nicken der Prüferin, wird mir klar:
Das war's.
Ich sitze noch in der Schule, mit Menschen, die ich nicht leiden kann.
Und meine Freundinnen, die nun keine mehr sind, weil entweder die Wiederholung oder ein Streit uns auseinander gebracht haben, verlassen dieses Gebäude und werden sich nicht mehr an meinen Namen erinnern, wenn sie zurückdenken.
Ihre Geschichten werden mich nicht mehr beinhalten und sie so davonzuziehen zu lassen, bricht mir das Herz.
Plötzlich wird mir wieder schmerzlich bewusst, wie allein ich wirklich bin, und dass eine menschliche Präsenz neben einem vielleicht doch kein Weltuntergang, sondern die Sonne bedeutet.
Leider gehöre ich zu der Sorte Mensch, die niemand möchte und deswegen werde ich nicht nur immer während meiner Schulzeit, die nächstes Jahr endet, immer einsam gewesen sein, sondern auch danach.

Vielleicht ist doch die einzige Möglichkeit, nicht mehr so allein und verlassen dazustehen, alle anderen zu verlassen. Meine Flucht mal woanders zu suchen als in meinem Zimmer, unter der Bettdecke.


1 Kommentar:

  1. Ja, ich bin sicher du hast Recht. Vielleicht solltest du das versuchen.

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